Die effektive Erzeugung von akademischem Rohstoff

Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Dr. Philipp Rösler

Für seinen wirtschaftlichen Erfolg braucht Deutschland Bildung. Darauf verweisen Politiker sämtlicher Parteien immer wieder. Stellvertretend für alle Außenminister Westerwelle: Der bezeichnet Bildung als die „zentrale Ressource der Globalisierung“. Der eigentliche Rohstoff, so betont er, liege längst nicht mehr unter unseren Füßen, „sondern zwischen unseren Ohren“. Dies seien Kreativität und Wissen – beide ein Ergebnis von Bildung (auswärtiges-amt.de). Und weil ihr der deutsche Wirtschaftserfolg nun mal am Herzen liegt, kümmert sich die Politik fleißig darum, den wertvollen Rohstoff zwischen den Ohren der Bevölkerung zu verankern.

Jüngstes Glanzlicht dieser Bemühung ist, die Hochschule betreffend, der „Bolognaprozess“. Den haben die Bildungsminister aller europäischen Nationen aus der Taufe gehoben, um, erklärtermaßen, einen einheitlichen Europäischen Hochschulraum zu schaffen und damit eine vergleichbarere, wettbewerbsfähigere Hochschulausbildung zu ermöglichen. Dafür verordneten deutsche Bildungspolitiker ihren Hochschulen eine Studienreform.

Seitdem gibt es

- eine Zweiteilung der Studienabschlüsse in Bachelor und Master, die nur einen Teil der Studierenden zur früher obligatorischen „umfassenden“ Qualifikation führt. Die überwiegende Masse wird in verkürzter Studienzeit mit einem im Vergleich dazu abgespeckten Arsenal an Kenntnissen „beschäftigungsfähig“.

- die „Modularisierung“ der Studiengänge, die Studieninhalte und Veranstaltungen zu abprüfbaren Einheiten zusammenfasst. Für jedes Stück Stoff, das man sich reinzieht, sind Credit Points zu erwerben, die den Zeitaufwand, mit dem man das schaffen muss, definieren, und über jedes Stück Stoff ist eine Prüfung abzulegen, die benotet wird. Kein bisschen Wissen wird an den Unis vermittelt, an dem die Studierenden nicht bewertet, sortiert und im Misserfolgsfall aussortiert werden.

– die Klage der Studenten darüber, dass Prüfungsstress und Zeitdruck aus dem Studium eine kaum zu bewältigende Angelegenheit machen.

 

So soll möglichst viel Wissen in möglichst vielen Köpfen platziert werden? Läuft da etwas falsch?
Wie passt diese Art der Studienorganisation dazu, Wissensträger zu bilden – als wirtschaftliche Ressource?
Braucht eine Wirtschaft, in der sich alles ums Geldverdienen dreht, wirklich viel Wissen zwischen allen Ohren?
Spielt Wissen da nicht eine schäbige Rolle als Hilfsmittel für Wirtschaftsunternehmen, die es ausschließlich dazu benötigen, es für sich und in Konkurrenz gegeneinander profitabel einzusetzen?
Wird deshalb das Bedürfnis nach Zugriff der Wirtschaft auf möglichst alle Qualifikationen in Relation gesetzt zu den dafür aufzuwendenden Kosten?
Und worum geht es dem Staat, der Bildungsinhalte festlegt und das Bildungswesen finanziert, wenn er Bildung als Selektion stattfinden lässt und die finanziellen Aufwendungen dafür stets kritisch im Blick behält?

 

Die Artikel in den Zeitschriften VERSUS und GEGENSTANDPUNKT befassen sich kritisch mit dem Wissenschaftsbetrieb der demokratischen Marktwirtschaft und beantworten diese Fragen:

 

Ein neuer Bildungsnotstand nach „PISA“: Sind die Deutschen zu blöd?

Anlässlich der PISA-Studie vermeldet der Staat seine Unzufriedenheit mit den Konkurrenzleistungen des Standorts. Dafür macht er das „human capital“ und dessen Qualifikation verantwortlich. Das ist einerseits ein Idealismus, denn er misst die Leistungen der Schule am Erfolg der Wirtschaft. Andererseits ist aber damit klargestellt, dass es bei Bildung um ihre kapitalistische Verwertung zu gehen hat.
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Hochschulreform heute: Das Projekt, Wissenschaft und Ausbildung als Waffe in der Standortkonkurrenz zu effektivieren

Die Politik ist unzufrieden mit den Leistungen der deutschen Hochschulen. Demnach ist die fällige Modernisierung von Forschung und Lehre ein „strategisches“ Reformprojekt, von dem nach Auskunft der Veranstalter nicht weniger als unser aller Existenz, nämlich „die Zukunft unseres Landes“ abhängt.
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Die „Causa Guttenberg“ und die „scientific community“: Die redliche Wissenschaft setzt sich zur Wehr

Warum ist es eigentlich so empörend, wenn ein Guttenberg Fußnoten und Anführungszeichen weglässt? Warum verwirft eine „scientific community“ und weit über 60 000 ihrer Mitglieder und Sympathisanten, die einen „Offenen Brief“ unterzeichnen, sein ganzes Traktat deshalb als unwissenschaftlich, ohne auch nur ein einziges Wort über dessen Inhalt zu verlieren?
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Noch ein Fall von „arm trotz Arbeit“: Die „Generation Praktikum“

Anstatt wie geplant eine Karriere zu starten, müssen Nachwuchsakademiker heute schlechte Bezahlung, befristete Anstellungen oder erzwungene Selbstständigkeit in Kauf nehmen. Dazu gehören seit einiger Zeit auch so genannte „Praktika“.
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Streiken für die veredelte Konkurrenz in Schule und Hochschule

mmer wieder protestieren Schüler und Studenten gegen „Zustände und Entwicklungen im Bildungssystem“, die sie als „nicht weiter hinnehmbar“ verurteilen. Die seien eigentlich unpassend für das deutsche Bildungswesen. Die Kritiker täuschen sich.
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Freiheit der Wissenschaft = Funktionalisierung der Wissenschaft für Staats- und Geldmacht

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Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks: „Soziale Selektion ist ungerecht“ – oder: Mit gleichen Chancen zu ungleichem Bildungserfolg

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Immer Ärger mit dem „Humankapital“ der Nation: Die Pisa-Studie – Was für ein Schock

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Verkürzung des Gymnasiums auf 8 Jahre: Große Aufregung über die verdichtete Schulzeit, nicht über das Ergebnis: die Auslese

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Wieso? Weshalb? Warum? Macht die Schule dumm?

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Bildungsstreik 2009

Der Staat effektiviert die Ressource Bildung – Schüler und Studenten streiken: für ihr Ideal davon.
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Das hat noch gefehlt: eine Studentenvertretung, die die Politik berät!

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