Wenn man die amerikanische Bezeichnung wörtlich übersetzt, dann besteht die Tätigkeit des Managers darin, "es" hinzukriegen. Was? – das wird zwar nicht dazugesagt, aber von jedem verstanden. Zwar kann sich heute jeder x-beliebige Sportsfreund "Manager" nennen, sobald ein Sportclub ihm die Sorge um den Erfolg des Vereins anvertraut, aber selbst da bleibt noch ziemlich deutlich, um welche Sache es beim Managerberuf eigentlich geht: um den finanziellen Erfolg des zu managenden Ladens. In der freien Wirtschaft heißt das, der Reichtum soll sich mehren, den seine Eigentümer zu diesem Zweck investiert haben.

Voraussetzung und Mittel dieses Erfolgs liegen allesamt an dem schlichten Umstand, dass in der zivilisierten Welt von heute alles käuflich ist. Für Geld ist jeder Geschäftsartikel zu haben: Produktionsmittel und Lohnarbeiter, Rohstoffe und Absatzwege, Grund und Boden für die nötigen Räumlichkeiten, Läden, Verkäufer, Werksschützer … . Umgekehrt haben Arbeiter und Grundbesitzer, Fabrikanten und Händler nur eine erlaubte Chance in ebendieser Welt: dass sie ihre Gebrauchsgüter, Rohstoffe, Grundstücke, Arbeitskraft, … als Waren anbieten und an jeden verkaufen, der damit eine lohnende Geschäftstätigkeit in Gang setzen will. Geld ist der Ursprung und der Zweck aller ökonomischen Tätigkeit in der freien Marktwirtschaft, und Geld ist das notwendige, aber auch hinreichende Mittel dafür.

Damit sind Inhalt und Ziele des Managerberufs bereits aufgezählt: Es geht darum, Geld als Geschäftsmittel einzusetzen, also so mit ihm umzugehen, dass es das tut, worauf es in dieser Wirtschaft einzig ankommt: mehr werden.

Der Erfolg dieses sachgemäßen Umgangs mit dem Geld ist, ebenfalls sehr sachgemäß, im Prinzip so groß wie das Kapital, das zum Einsatz gebracht wird. Gleiches gilt für den privaten Finanzerfolg der beschäftigten Funktionäre, zumindest der leitenden: Deren Gehalt ist ein nicht unwichtiger Ausweis für den Umfang und Erfolg des Unternehmens, das sie managen. Dass diesem Gehalt eine Leistung entspräche, ist ein ebenso absurder wie in Ehren gehaltener Schein, der seinen Grund in der einzigen Schwierigkeit hat, auf die das Geschäftemachen in einer ordentlichen kapitalistischen Gesellschaft trifft: in der Konkurrenz. Es sind ja viele Firmen, die die Vergrößerung des in ihnen angelegten Reichtums betreiben, und die machen sich mit Notwendigkeit gegenseitig das Leben schwer. Jede will Geld verdienen, nicht um es zu verjubeln, sondern um es zu investieren und Masse und Wucht des engagierten Geldvermögens permanent zu vergrößern. Das geht nicht ohne Kampf um Märkte und Marktanteile durch Verbilligung der Produktion, also nicht ohne Einschränkung des Umsatzes und damit des Geschäftserfolgs anderer Firmen. Umgekehrt machen die Angriffe der Konkurrenten für jede Firma ihre eigene Vergrößerung zur Überlebensbedingung. Ein Reichtum nämlich, der sich – "auf dem Markt", wie man so sagt – nicht durchsetzt, bleibt bekanntlich nicht als bescheidenes Vermögen erhalten, sondern geht zugrunde. Womit kein konkurrenzfähiges Geschäft zu machen ist, es mögen noch so nützliche Waren, Produktionsanlagen oder darauf laufende Schuldscheine sein, das ist eben deswegen auch kein Reichtum mehr, sondern erweist sich beim Konkursrichter als aufgeblasenes Nichts.

Alle Manager betreiben dasselbe: Sie bedienen das Geld, auf dass es mehr werde. Das wäre nicht weiter schwer, würden sie es nicht gegeneinander betreiben. Dieses Gegeneinander ist der Stachel ihres Erfolgs: Es macht ihn erstens notwendig und zweitens unsicher. Und in Krisenzeiten schließlich, wo, wie gegenwärtig der Fall, erfolgreiche Ausweitung der Geschäftstätigkeit dafür gesorgt hat, dass weltweit mehr Produkte Absatz suchen, als die zahlungsfähige Nachfrage käuflich erwerben kann, ist der Geschäftserfolg des einen unmittelbar identisch mit Verlust bei einem oder mehreren Konkurrenten. Konkurrenzkampf findet statt, mit der Betonung auf Kampf. Das erfolgreiche Bestehen dieses Kampfes soll sich aus der Persönlichkeit des Managers ableiten, deren inhaltliche Bestimmung allerdings zirkulär dem Erfolg in der Konkurrenz entnommen wird: Gute Manager sind "Siegertypen" oder, auf amerikanisch, "winner". Billiger einkaufen; beim Verkaufen Marktanteile erobern; dafür die Stückkosten senken, indem man rationalisiert, eine höhere Stückzahl von weniger Arbeitern herstellen lässt und die so geschaffenen "personellen Überkapazitäten" auf die Straße setzt; aus der verbliebenen Belegschaft für weniger Lohn mehr Leistung herausholen; günstige Kredite an Land ziehen und die Kreditwürdigkeit der Konkurrenten in Verruf bringen, durch Schmiergeldeinsatz Aufträge ergattern; Absprachen treffen und brechen, alle Chancen zur Spekulation ausnutzen und die Spekulationen der Konkurrenz durchkreuzen; die nötigen Leute, die bei alledem mitzuspielen haben, kennen, einseifen und erpressen: Darin muss ein Manager Könner sein.

Allerdings handelt es sich um eine Könnerschaft, die mit der erfolgreichen Beherrschung einer Sache nichts zu tun hat. Der Einblick in die verschiedenen Geschäftsabteilungen oder Sachkenntnis im Umgang mit Geld ist für den Konkurrenzerfolg eines Managers eine bloße, aber längst nicht hinreichende Voraussetzung. Skrupellosigkeit, gepaart mit dem Schein von Ehrlichkeit und Solidität, ist gleichfalls notwendig, aber für nichts Gewähr. Wer mit dem Geld, über das er verfügt, und dem Geschäft, das er vorhat, nicht prächtig angeben kann, brauch das managen erst gar nicht anzufangen; Selbstdarstellung und Öffentlichkeitsarbeit sind aber noch kein Erfolg auf dem Markt. Und immer wieder stellt sich heraus, dass die Anwendung haargenau der gleichen Methoden, Charakterstärken und Geldsummen mal Erfolg bringt, mal an den Gegenzügen der Konkurrenz scheitert. Man, und vor allem der Betroffene selbst, weiß immer erst hinterher, ob einer ein guter oder ein "Miss"-Manager ist. Hat er Misserfolg, darf ihm jeder – vom Wirtschaftsjournalisten bis zum Gewerkschaftsfunktionär – haltlose Spekulation, verfehlte Unternehmenspolitik, vorgenommene oder unterbliebene Einstellungen und Entlassungen an falschen Ort und zur falschen Zeit, unsolide Kreditaufnahme bzw. –vergabe, verkehrte Geschäftspartner, übertriebenen Aufwand, kurz, alles und genau das als Missgriff ankreiden, was bis dahin den Ruf als geschickter, wagemutiger, kenntnisreicher Geschäftsmann ausgemacht hat. Erfolgreicher Manager wird man eben nur dadurch, dass man beim Ausbooten der Konkurrenz Erfolg hat, also erfolgreich ist. Diese zirkuläre Bestimmung liegt in der Natur des Jobs. Aus ihr speisen sich die Ideologien zum Beruf ebenso wie seine Ausbildungsvorschriften.

Die Berufsideologie adelt den Erfolg bei der Ausnutzung der Firmenbelegschaft zur "Führungsstärke"; den unberechenbaren Erfolg geschäftlicher Berechnungen deutet sie als "Spürnase" oder ähnliche Symptome unerforschlicher Weisheit; Erfolge beim Intrigieren ehren den Manager als "eindrucksvolle" und "durchsetzungsfähige Persönlichkeit". Die Tatsache einer Karriere gilt als Beweis, dass es sich um einen "Erfolgsmenschen" handelt, also umstandslos als einziges und größtes Kompliment. Danach richten sich dann auch die Bezüge; so wird eine Ideologie zum Gehaltskonto. Umgekehrt "beweist" der Umstand, dass ein Unternehmen in der Konkurrenz ins Hintertreffen gerät, dass es sein Management an all diesen löblichen Eigenschaften fehlen lässt. Mangelndes "Gespür für die Erfordernisse des Marktes", fehlender "Biss" und die "Zeichen der Zeit" nicht erkannt zu haben, werfen ihm die "Experten" dann vor, und hin und wieder taucht in der Presse sogar die Frage auf, ob die Firmenleitung ihr Managergehalt wert gewesen sei.

Eine vorbereitende Ausbildung ist der Natur der Sache nach im Grunde gar nicht möglich. Die paar Kenntnisse in Buchführung und Produktionsplanung, die ein Jung-Manager mitbringen muss, gelten zu Recht als nebensächliche Voraussetzung, die jede Sekretärin eigentlich genau so gut beherrscht. Zu lernen sind sie, bei gemütlicher Zeiteinteilung, in drei Wochen. Die acht oder mehr Semester BWL-Studium sind jedoch nicht umsonst. Die Ideologie vom Managen als Könnerschaft verlangt einfach nach der Bürde und Würde akademischer Prüfungen. Außerdem kann der Nachwuchs in der Zeit beweisen, dass er seine Zeit zu nutzen versteht. Die Techniken, sich als Erfolgsmensch zu präsentieren, lassen sich unter gleichgesinnten Kommilitonen und –innen auch ohne Firma ganz gut einüben. Und sie sind nicht mal eine ganz brotlose Kunst, weil man damit schon Leute kennen lernen und Leuten auffallen kann, auf die es später mal ankommt bei der Karriere. Schließlich kann nicht jeder BWL-Student später auch wirklich Manager werden, so dass es – wo der richtige Vater fehlt – das Geschick ankommt, den eigenen Aufstieg zu mänädschen. Studieren, um in die richtige Verbindung einzutreten: Das ist zwar nicht sehr geistreich, aber auch ein Studienzweck.

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