DI, 05.02. „Bürger“-krieg in Syrien

Am Dienstag, den 05.02.2013, 19 Uhr veranstaltet der AK Politik im Schlatterhaus einen öffentlichen Vortrag mit Diskussion zum Thema:

Warum der Westen Islamisten aufrüstet
& die Russen mal wieder die Bösen sind

So wird es einem jeden Tag im Fernsehen und in der Presse berichtet: Der „Bürgerkrieg“ in Syrien besteht darin, dass eine Regierung mit Waffengewalt gegen „ihr Volk“ zuschlägt und die Aufständischen schon allein deswegen politisch und vor allem auch moralisch schwer im Recht sind. Das ist eine parteiliche Sichtweise, die natürlich rein zufällig ziemlich deckungsgleich ist mit den Positionen der NATO-Regierungen und ihren Partnern unter den Monarchien und Emiraten im Nahen Osten. Diese Parteilichkeit lässt sich auch nicht durch die gelegentlich nachzulesenden historischen Informationen verunsichern – so etwa, dass Baschar al-Assads Vater und Vorgänger als Präsident mit Zustimmung der westlichen Staatengemeinschaft 1982 gegen aufständische Islamisten in seinem Land äußerst brutal vorging. Damals galt keineswegs die Sprachregelung „Assad schießt auf sein Volk“, und das von ihm befohlene Bombardement der islamistisch beherrschten Stadt Hama führte nicht dazu, dass der Westen einen Regime-Wechsel forderte oder gar eine bewaffnete Opposition auf- und ausrüstete. Im Gegenteil: Bush senior gliederte Syrien in seine „Koalition der Willigen“ für den ersten Irak-Krieg ein. 2004 unterzeichnete die Europäische Union ein Assoziierungsabkommen mit Assads Syrien. Und Deutschland hatte bis zur „Arabellion“ noch die besten Beziehungen zu Damaskus.

Die gesamte Veranstaltungsbeschreibung steht hier


8 Antworten auf “DI, 05.02. „Bürger“-krieg in Syrien”


  1. 1 jeff 08. Februar 2013 um 18:25 Uhr

    Die Frage ist doch, was zu tun ist. Meiner Meinung nach sollte das Volk entscheiden. Man sollte alle demokratischen Kräfte zusammen bringen, einen Waffenstillstand vereinbaren und dann Wahlen abhalten.

  2. 2 Thomas 12. Februar 2013 um 14:22 Uhr

    Wer ist „man“? Die an dem Machtkampf Beteiligten haben was anderes vor. Bei allen Streitereien untereinander einigt die „Rebellen“ das negative Programm, Assad zu entmachten. Die USA und die arabischen und türkischen Unterstützer dieser Gruppen sehen das sowieso so. Und dabei berufen Sie sich glatt auf das Volk! Deren kämpfende Vertreter, deren zukünftige Regenten im Wartestand und Unterstützer aus mehr als 60 Staaten und Organisationen,die sog. „Freunde des syrischen Volkes“ haben sich gerade in Tunis darauf geeinigt, den „Druck auf Assad“ zu erhöhen. Mehr „Bürgerkrieg“ für weniger Flüchtlinge und Leichen – alles für das Volk!

  3. 3 tobias 12. Februar 2013 um 15:13 Uhr

    das mag ja alles sein. trotzdem: das oberste interesse muss doch frieden sein, der muss voran kommen, das ist immer noch besser als krieg. für was haben wir denn die uno??!! da sollte sich der un-sicherheitsrat mehr einmischen.

  4. 4 Thomas 12. Februar 2013 um 17:58 Uhr

    Verglichen mit Krieg ist Frieden zweifellos „immer noch besser“ – verglichen damit! Wie überhaupt der Blick auf noch mehr Elend und Gewalt etwas weniger Elend und Gewalt gleich erträglicher aussehen lässt. Soweit zum Nutzen dieses Vergeichs und seiner trostreichen Relativierung der (auch hierzulande) nicht zu knapp existierenden Ausbeutung, Armut, Unsicherheit, Vergiftung von Lebensmitteln und Natur usw.. Mit dem falschen Vergleich fällt ganz nebenbei auch noch unter den Tisch, dass zu Friedenszeiten, also in den Zeiten zwischen den Kriegen, ja wohl die Gründe für die kriegerischen „Konfliktlösungen“ produziert worden sein müssen. Ohne eine Kritik des Friedens ist eine gescheite Gegnerschaft zu Krieg nicht zu haben.

  5. 5 ray4711 13. Februar 2013 um 16:09 Uhr

    Ob der UN-Sicherheitsrat, wie vorgeschlagen, die richtige Institution zur Beendigung des Gemetzels ist, darf bezweifelt werden. Die USA wollen ihn doch andauerd für die Verurteilung Syriens mobilisieren. Mit der Zustimmung Russlands und Chinas wollen sie sich das rechtsförmige Mandat für das Abservieren Assads und das damit verbundene Rausschmeißen der Russen verschaffen. Und anlässlich des Vetos schaffen sie im Nahen Osten Fakten, gegen die kein anderer Staat praktisch was einwenden will bzw. kann.

  6. 6 sysapp 13. Februar 2013 um 16:14 Uhr

    Andauernd ist nur von den USA die Rede. Die sind der Bösewicht, die hinter allem stecken, die anderen sind scheinbar ferngesteuert aus Washington.

  7. 7 Thomas 15. Februar 2013 um 16:25 Uhr

    Zum „Bösewicht USA“, der hinter allem steckt: Dass in Syrien ein Stellvertreterkrieg tobt, kann man der Pressebericht-erstattung ja wohl entnehmen. Von wegen, das freiheits-durstige Volk ist da mit seinen Interessen unterwegs. Man erfährt doch, dass die um die regionale Vormacht ringenden Regionalstaaten Saudi-Arabien und Iran in Syrien aufeinander rumpeln, dass in Syrien ein Ringen der Weltmächte USA und Russland stattfindet und dass die USA sich die letzte Entscheidungsbefugnis vorbehalten, wer im Kampf gegen Assad wie weit gehen darf. Dass der das Feld zu räumen hat, damit Frieden und eine Beilegung des Konflikts der Weltmächte einkehren, bleibt die Forderung der USA und der lizensierten türkischen, arabischen und westlichen Mitordner.

  8. 8 Thomas 18. April 2013 um 17:09 Uhr

    „Das Volk“ gibt es in Syrien gar nicht (mehr)! Die vormalige Zentralgewalt hat die flächendeckende Kontrolle über Land und Leute verloren, die untereinander verfeindeten „Volks“-Teile bekämpfen einander bis aufs Messer. Soweit letztere gegen Assad-Getreue vorgehen, genießen sie die Unterstützung der Amis, Europäer, Saudis und Qatars. Letztere heizen den Krieg seit 2 Jahren gemeinsam an. Die „Rebellen“ vor Ort – untereinander spinnefeind, nur einig gegen Assad – sind die Vollzugsorgane des westlichen Ordnungsinteresses, das Assad-Syrien zerschlagen will. Wen sollte „man“ da worüber abstimmen lassen?!

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