Jour Fixe, 28.07.09: Gesundheitswesen im Kapitalismus

Gesundheitsökonomie

Volksseuchen gehören in unseren Breiten der Vergangenheit an. Die Natur als Krankheitsursache ist weitgehend ausgeschaltet. Weniger sind die Krankheiten darüber nicht geworden. Die große Masse leidet heute an sogenannten Berufs- und Zivilisationskrankheiten. Was taugt eine Wirtschaft mit ihrer Berufswelt, die die Menschen eingestandenermaßen krank macht?

Das staatliche Gesundheitswesen betreut den massenhaften Verschleiß der Gesundheit, den an vorderster Front „unsere“ Wirtschaft anrichtet. Die marktwirtschaftliche Vernunft gebietet, dass die Betroffenen die medizinischen Leistungen kaufen müssen, die für ihre Wiederherstellung nötig sind. Genau das aber können die meisten nicht, weil sie nicht nur krank, sondern auch noch arm aus dem Betrieb nach Hause gehen. Also hilft der Staat, nicht mit Geld, sondern mit seinem Zwang: Mit einer Krankenversicherungspflicht summiert er die Beiträge von auf sich gestellt zahlungsunfähigen Individuen zu einer Gesamtzahlungsmasse, die einen schönen Selbstbedienungsladen für den Ärztestand und die Pharmaindustrie darstellt.
Das Kapital macht die Leute krank, die Betroffenen müssen dafür bezahlen – und nicht nur der Ärztestand, sondern eine riesige Branche aus dem Umkreis der industriellen Verursacher verdient daran enorm. Was gibt es da zu reformieren?

Die arbeitende Menschheit ist in Jahrzehnten des Wachstums auf breiter Front verarmt worden. Löhne sind gesunken, die Arbeitslosenzahlen gestiegen. Damit schwinden die Finanzmittel der Gesundheitskassen. Eine Verschlechterung ihres Geschäfts im Maße der Verarmung der Betroffenen kommt für die Gesundheitsindustrie nicht in Frage. Eine Erhöhung der Beiträge zur Aufbesserung der Kassenfinanzen aber auch nicht. Jedenfalls nicht aus den Lohnprozenten, die Unternehmer dafür wegzahlen, dass sie die Gesundheit ihrer Belegschaften verbrauchen. Die stehen als Lohnnebenkosten auf der Abschussliste. Es muss also Geld ins System, um den Profit des Geschäfts mit der Gesundheit zu garantieren, ohne die Bilanzen der restlichen Unternehmer zu belasten. Wer soll das bezahlen?

Wenn euch die Antworten auf diese Fragen interessieren, seid ihr herzlich eingeladen, euch an der Diskussion zu beteiligen oder auch nur zuzuhören. Wir treffen uns wie immer um 20 Uhr im Clubhaus, Wilhelmstr. 30, linker Eingang, 1. Stock.